Studieren mit Behinderung

Mit Personal Branding zum neuen Job: Erfolgreich bewerben mit Behinderung

Viele Studenten mit Behinderung finden nach Ihrem Studium keinen Einstieg. Wir zeigen Dir, wie Du Dich erfolgreich mit Behinderung bewerben kannst
Bei der Bewerbung sollte Deine Behinderung nie im Vordergrund stehen
Bewerben mit Behinderung: Personal Branding als Erfolgsschlüssel

Auch wenn Studieren mit Behinderung mittlerweile kein Problem ist, finden viele Menschen mit Behinderung nach dem Studium trotz geeigneter Qualifikation keinen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt. Nicht immer ist der potentielle Arbeitgeber schuld. Wir erklären, in welche formellen Fallen Bewerber mit Behinderung oft treten und wie Personal Branding bei der erfolgreichen Bewerbung helfen kann.

Die Behinderung als Bewerbermerkmal

Die Frage, ob und wie sie ihre Einschränkungen im Bewerbungsprozess thematisieren, beschäftigt wohl alle Menschen, die mit Behinderung in eine neue Karriere einsteigen, oder den Beruf wechseln möchten. Die oft schlechte Erfahrung, die bereits im Laufe der Jahre gesammelt wurde, weckt Zweifel bei den Bewerbern. Welche Behinderung sollte von vornherein erwähnt werden und bringt dies Vor- oder Nachteile im Prozess? Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Richtig ist, dass viele Arbeitgeber zwar ihre Stellen als "Bewerber mit Behinderung werden bei gleicher Eignung bevorzugt" ausschreiben und damit die Chancengleichheit betonen, aber dennoch keine Mitleidsstellen oder Besetzungen aus finanziellen Vorzugsgründen vergeben. Der Bewerber überzeugt nie durch die Einschränkung, sondern durch seine Fähigkeiten, sein Auftreten und den Enthusiasmus, die Stelle antreten zu wollen. Die Behinderung sollte also, gleich wie offensichtlich sie ist, nie im Vordergrund stehen. Viel eher sollte sie als Bewerbermerkmal eingearbeitet werden. Dazu ist es essentiell, dass Personaler und Arbeitgeber einen positiven Umgang mit der Einschränkung erleben. Ist der Bewerber zum Beispiel auf einen Rollstuhl angewiesen, sieht sich sonst jedoch nicht in Handlungsfähigkeit und Mobilität eingeschränkt, muss der Rollstuhl keinen Hauptteil in Deinem Anschreiben einnehmen. Ist jedoch eine Tätigkeit in Kommunikation, Telefonzentrale und Kundenkontakt angedacht, kann eine verschwiegene Schwerhörigkeit zum Problem werden. Die Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten sollte daher realistisch sein und dort thematisiert werden, wo sie nötig wird.

Personal Branding als Erfolgsfaktor

Unter Personal Branding verstehen Manager die Fähigkeit, das eigene Qualifikationsprofil im Netz zu etablieren und auszubauen. Gut vernetzte Menschen fallen Personalern bereits vor der Bewerbung positiv ins Auge. Die Inszenierung im sozialen Kontext stärkt das Profil, bevor es im persönlichen Kontakt vermittelt wird. Gerade für Menschen mit Behinderung bietet Personal Branding die Möglichkeit, Recruitern und Arbeitgebern zu zeigen, dass sie mit ihrer Behinderung fest im Leben stehen, Kontakte pflegen, Ausstrahlung haben. Qualifikationen können zum Beispiel in fachliche Blogartikel umgesetzt werden. Der Internetauftritt über Homepages und Profile sollte stets aktuell gehalten werden und alle wichtigen Informationen auf einen Klick bereithalten. Natürlich darf und soll im Verlauf der Kommunikation über soziale Netzwerke auch die Behinderung an sich thematisiert werden. Viele Menschen mit Einschränkungen organisieren sich in Behindertenverbänden, helfen bei der Entwicklung neuer Apps zur Vereinfachung des Tagesablaufes für andere und zeigen Gesicht in Inklusionsfragen. Diese Faktoren wirken sich positiv auf das Profil aus. Vermieden werden sollte die Nutzung von Social Networks als reines Ventil für Krankenhausberichte und Selbstmitleid. Kein Personaler möchte einen Bewerber einstellen, der durch lange Krankenzeiten schon vor Antritt des Jobs auffällt. Die Rückfragen zu solchen Klickstrecken werden im Bewerbungsgespräch, wenn es denn dazu kommt, definitiv zu erwarten sein.

Jobbörsen und berufliche Netzwerke

Websites wie jobboerse-direkt.de machen es Bewerbern einfach, ein Profil anzulegen, in welches alle relevanten Informationen eingetragen werden können. Lebensläufe mit Bewerberfoto können so direkt von Unternehmen und Verantwortlichen eingesehen werden. Hier sollte die berufliche Qualifikation und Weiterbildung den Hauptraum einnehmen. Schwächen und Einschränkungen können als Randnotiz erfolgen. In beruflichen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn gibt es oft einen Bereich, in dem Beschreibungen und Notizen zur Vita Platz finden. Ob die Behinderung hier überhaupt thematisiert werden muss, ist von Person zu Person unterschiedlich zu halten. Wichtig ist, dass potentielle Arbeitgeber ihre Bewerber im Netz als aktiv, kompetent und sozial erleben. Die eigene Marke wird im Bewerbungsprozess immer wichtiger und sollte positiv besetzt sein. Inklusion kann nur gelingen, wenn Bewerber auch ihrerseits die Hürden umgehen und Unternehmen, die eventuell bisher mit der Thematik wenig Berührungspunkte hatten, offen und informiert gegenübertreten.